Heute habe ich meine Mittagspause dazu genützt, um eine Buchhandlung aufzusuchen. Einfach, um wieder einmal ein bisschen herumzustöbern – man kommt ja sonst so selten dazu, und zu viel Geld hat man auch immer…

 

Jedenfalls steh ich dann da vor dem Regal mit diversen Biografien: Außergewöhnliche Schicksale von Frauen und Männern. Und plötzlich überkommt mich so ein komisches Gefühl und es graute mir davor. Auf einmal fand ich das ganze ziemlich pervers. Jedes einzelne Buch schrie mich an – Kauf mich! Mein Leben war schlimmer! Ich habe mehr gelitten! …

 

ich war drogensüchtig! ich habe im irak gekämpft! ich habe krebs! ich wurde vergewaltigt! ich wurde verfolgt! ich wurde geschlagen! ich war gefangen! kauf mich! kauf mich! kauf mich! kauf mich! kauf mich!

 

Ein Ausverkauf an Schicksalen – jeder versucht seine Gräuelbiografie am dienlichsten anzupreisen. Es rieselt PR-Texte über Schreckensschicksale. Einfach pervers.

 

Welche Intention bewegt einen Menschen, der Schreckliches mitgemacht hat, dazu, sich so billig zu verkaufen? (Von den Promi-Biographien möchte ich gar nicht sprechen.)

 

Ich gebe im gleichen Atemzug aber zu, auch schon einige solcher Schicksale gelesen zu haben. Und manche waren gut. Sie waren einfühlsam geschrieben, machten mir klar, WARUM derjenige sein Schicksal mit der Welt teilen möchte.

 

Aber einfach nur in die Welt hinauszubrüllen, das empfinde ich als abstoßend. Auch, wenn man noch so viel mitgemacht hat.