Eine Diskussion hat mich angeregt:
In einem waren wir uns einig – das Internet ist groß, unüberschaubar groß. Ich kann mich zu praktisch jedem Thema so umfassend informieren, wie noch nie zuvor.
Aber – bekommen wir trotz der unüberschaubaren Größe des Internet ein eingeschränktes Blickfeld?
Verkleinere ich meinen Horizont, wenn ich meine Informationen nur aus dem Internet beziehe?
Dafür spricht: Ich blende für mich weniger relevante Information aus, klicke sie erst gar nicht an und lebe so in einer von mir selbst kreierten Scheinwelt. Nur jene Informationen finden dort Geltung, die ich als wertvoll erachtet habe. Möglich, dass ich dadurch auch den Anschluss an meine direkte Lebenumwelt verliere, die sich für andere Themen interessiert. Wir können nicht mehr über den Aufmacher der regionalen Tageszeitung diskutieren, weil ich ihn nicht kenne. Interessiere ich mich für Sport, blende ich Politik/Wirtschaft/Kultur usw. aus. Während ich sie in der Zeitung zumindest überblättern muss und so im Entferntesten damit konfrontiert werde, komme ich im Internet gar nicht damit in Berührung – wenn ich es nicht will.
Dagegen spricht: Horizont verkleinern durch das Internet? Unmöglich. Ich werde mit anderen Meinungen konfrontiert, die ich sonst nie zu hören bekommen hätte. Ich lese über Lebensumstände, mit denen ich sonst nie in Berührung gekommen wäre. Ich kann Informationen und Meinungen vergleichen, kritisieren, kommentieren, vervollständigen. Solange ich mich dazu aufraffe.
Ich tendiere eher zur zweiteren Ansichtsweise. Die Leute, die von vornherein nicht neugierig und leicht beeinflussbar sind, werden sich natürlich auch im Internet nicht als Aufdeckerjournalisten oder Informationsjunkies entpuppen. Wer sich in der Offline-Welt nur aus der Krone informiert, wird auch im WWW nicht versuchen, Infos zu objektivieren und zu vergleichen. Da spielt die Funktionsweise des Web gar keine Rolle (das selbstständige Selektieren der Informationen). Wer aber von sich aus die Initiative ergreifen will, um sich eine „objektivere“ Welt zu basteln, kann sich die einzelnen Puzzleteile bequem zusammenbauen – ist also mit dem WWW gut bedient.
Höre ich da Gegenstimmen? Bitte kommentieren…

4 comments
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August 13, 2008 um 11:38
Thomas
Ich glaub nicht, dass es mit Hilfe des Internets genauso möglich ist „eine objektive Welt“ zu basteln, wie es ohne möglich ist. In Wirklichkeit können wir sowohl mit als auch ohne Internet nur Informationen einholen, deren Glaubwürdigkeit einschätzen, und sich danach ein Bild machen.
Sowohl ohne als auch mit Internet ist es möglich Informationen auszublenden, weil ich sie nicht glauben will. Ich kann „zur Zeit“ (Mölzer) genauso lesen oder ignorieren, genauso wie ich die FPÖ Homepage besuchen oder nicht kann. Der einzige Unterschied mit Internet ist, dass ich wesentlich schneller Zugriff auf verschiedene Meinungen hab, die Aufgabe deren Relevanz oder Glaubwürdigkeit zu beurteilen nimmt mir leider noch immer niemand ab. Wird vermutlich mit der Informationsvielfalt des Internets sogar etwas schwerer.
August 13, 2008 um 12:09
intasiti
Was ist schon objektiv? Aber ich glaub das geht sowieso an der Frage vorbei.
Verkleinere ich meinen Horizont, wenn ich meine Informationen nur aus dem Internet beziehe?
Ganz im Gegenteil. Bin ich kein total ignoranter Mensch komm ich an Hyperlinks (auch wenn ich mir vorher unverständlicherweise, wie es technisch überhaupt möglich sein mag, mein eigenes Universum gebastelt hab) einfach nicht vorbei. Neugier ist einem jeden Menschen angeboren – bei einigen tritt sie stärker auf, bei einigen schwächer, aber sie ist da.
Durch die Hyperlinks hab ich sofort mehr Material, also vielfältigere Informationen,zahlreiche verschiedene Sichtweisen und gebildete Meinungen zu einem Thema und weitere, mit dem Thema zusammenhängende, Themen.
Da kann ich mich gar nicht dagegen wehren. D.h. wenn ich überhaupt soweit bin und ich mich entschließe, meine Informationen in Zukunft nur mehr online abzurufen, engt das meinen Horizont auf keinen Fall ein.
Sofern ich kein totaler Sturkopf bin und bei jedem blau unterstrichenen Wort mit voller Wut auf den Bildschirm haue.
Aber ein Web 2.0-User (und nicht nur ein 2.0er) zeichnet sich meistens durch andere Eigenschaften aus.
Die meisten Menschen, denen ein enger Horizont aufgrund massiver Internetnutzung diagnostiziert wird, verwenden das Internet schlicht und einfach nicht zum Beziehen von Informationen.
Stichwort: Counterstrike
(Ich hab selbst jahrelang den Computer gestartet und ihn nach vier Stunden wieder abgeschalten, ohne den Firefox auch nur zu öffnen.)
Trotzdem war ich ständig online.
In diesem Sinne – liebe Grüße aus Knittelfeld
PS:
Ich hätte mir von der Bloggerin ein paar mehr Informationen zum beruflichen Alltag erwartet – aber vielleicht können wir das noch mündlich nachholen!
#samstag #postgarage
August 13, 2008 um 8:18
clemensticar
ja, ich verzichte auf informationen zu themen die mich nicht interessieren. ganz einfach deshalb, weil ich nur das lese was mich interessiert, so mache ich das zumindest. ich weiß nicht ob das die norm ist, könnte es mir aber durchaus vorstellen. andererseits komme ich durch das netz an beiträge zu den themen die mich interessieren die ich durch nutzung von (z.B.) ausschließlich printmedien niemals ergattern könnte.
August 14, 2008 um 8:17
hofaj
ich lass mich im web leider viel zu oft dazu verleiten, ganze absätze zu überspringen und schneller runterzuscrollen, sowas passiert mir bei printprodukten NIE. dafür gelange ich im web an ein en viel größeren pool an informationen, gleicht sich dann glaub ich wieder aus!