Moderne und Geschichte - grau in grau

Moderne und Historie - grau in grau

Ambivalenz. Die Skyline des Bankenviertels grenzt an den mittelalterlichen Tower of London. Der obdachlose Penner schläft am Eingang des teuersten Geschäftes in der Oxford Street. Der gestylte Geschäftsmann im Nadelstreifanzug trifft im Hyde Park auf die Omi mit Mindestpension. Noch nie sind mir in einer Stadt die Gegensätze so krass aufgefallen wie in London. Gut, ich war auch selten in richtigen Großstädten (ausgenommen Paris). Moskau, Bueonos Aires oder New York verdienen wahrscheinlich viel eher den Titel „Stadt der Gegensätze“. Für mich war es dennoch eine neue Erfahrung.

Charming. London ist laut, teuer und dreckig. London ist verregnet, voll von schlecht gelaunten, gestressten Menschen und lärmenden Touristen. Den Charme dieser großen Stadt machen aber Londons kleine Ecken aus. Der Gitarrist in der U-Bahn-Station. Die entzückende Engländerin in der Bakery. Die romantischen Gässchen in Soho. Die kleine Bar in Notting Hill.

ClickClickClickClickCamera! Sightseeing musste bei meinem 5-Tage-Trip nach London mit den Mädels natürlich trotzdem sein! Trafalgar Square, Buckingham Palace, Tower-Bridge, Houses of Parliament und Big Ben – knips, knips und weiter geht’s. Wer so wenig Zeit hat, kann nicht lang an einem Ort verweilen. Schade, denn vieles hätte man genauer inspizieren müssen… Allein in der National Gallery hätten wir einen Tag verbringen können! Wahnsinn, welche Masse an Kunstwerken dort ausgestellt wird. Und das ICA (Institute of Contemporary Arts) – genauso sehenswert!

Psssssssssssst, ich war auch bei Madame Tussaud’s… War aber lustig. Hab ein Foto mit Johnny, Brad und Shrek. Voll cool, ge?  Irgendwie versteh ich jetzt aber auch die Aufregung um den Wachs-Hitler in Berlin. Wenn dich ein Mann freundlich lächelnd bittet ein Foto von ihm zu machen, um sich dann mit erhobenem Arm und triumphierenden Gesichtsausdruck neben den Führer höchstpersönlich zu stellen, hört sich der Spaß auf. Finde ich zumindest.

Last orders! Die Pubs haben wir Mädels natürlich genauso unsicher gemacht. Ich war etwas schockiert, dass du schon um 23.30 Uhr rauskatapultiert wirst. Und zwar ziemlich unfreundlich – mit unangenehmen Glockenschlägen und grellem Licht. Dann geht es eben weiter in die Clubs, die gibt es ja wie Sand am Meer…

Vielvölker-Metropole und Weltstadt. London ist international und multikulturell. Auf den ersten Blick hat man den Eindruck, dass alles blendend funktioniert. „Leben und leben lassen!“, lautet das Motto. Man spricht französisch, irisch, polnisch, jiddisch, japanisch. Und man versteht sich. Das China-Restaurant duftet neben dem schrulligen Italiener, der Koreaner verkauft den Evening-Standard neben dem schwarzen Soul-Singer. Ganz friedlich. Banden-Kriege und Teenager-Morde sind die andere Seite der Medaille. Die Ghettos am Stadtrand. Die Penner.

London kann man nicht in fünf Tagen entschlüsseln. Auch nicht in einer Woche und nicht in einem Monat. Einen Versuch war es aber wert…